Unser Workshop-Programm in der Zusammenfassung

Neben der Zusammenstellung der aktuell wichtigsten netzpolitischen Debatten in Deutschland, Europa und der Welt haben wir auch an unserem Workshop-Programm gefeilt. Herausgekommen ist ein buntes Hands-On: Netzpolitik!, was das Hauptprogramm erweitert und vertieft:

Der Breitbandausbau im ländlichen Raum ist zwar ein wirtschaftspolitisches Desaster, dem man allerdings durch innovative, freie Funknetze lokal begegnen kann: Dr. Volker Grassmuck (Digiges), Monic Meisel und Elektra Wagenrad (Freifunk) wagen sich in ihrem Workshop zu Breitband im ländlichen Raum vor in hierzulande vernachlässigte Frequenzbereiche, zeigen politische und gesellschaftliche Handlungsansätze zur Breitbandversorgung der Peripherien und stellen ihre eigenen Erfahrungen vor und zur Debatte.

Das Informationsfreiheitsgesetz ermöglicht es jedem Menschen in Deutschland, Anfragen zu amtlichen Behörden in Deutschland zu stellen, und zwar unbegründet. Das Instrument wird immer wichtiger für Journalist*innen, Wissenschaftler*innen und Bürger*innen, um Klarheit über Verwaltungsvorgänge zu erlangen. Allerdings werden die Potentiale noch längst nicht ausgeschöpft. Also: Wann hast Du Deine letzte IFG-Anfrage gestellt? Warum nicht? Stefan Wehrmeyer (OKFN) wird Dich aufklären über Deine Rechte und mögliche Schwierigkeiten und, wenn Du magst, zusammen mit Dir Deine erste IFG-Anfrage stellen.

Wer von Euch glaubt an Wunder? Beziehungsweise an eine nutzerfreundliche und innovationsfördernde EU-Urheberrechtsreform unter Günther Oettinger? Nein? Nachdem Julia Reda (MEP) sowie die Kollegen und Freunde von Wikimedia, Dr. Ansgar Koreng (JBB), Julia Schütze (WMDE) und Dimitar Dimitrov (WM Brüssel), bereits am Morgen und Nachmittag theoretisch in die Debatte eingeführt und Probleme erörtert haben, kann im anschließenden Workshop Safeguarding the Public Domain jede/r Einzelne lernen, was sie/ er selbst für eine bessere Reform tun kann.

Seitdem unser Justiz- und Verbraucherschutzminister Heiko Maas im Januar diesen Jahres eine aus Plattformanbietern und v.a. wirtschaftsnahen Organisationen bestehende Taskforce gegen Hatespeech in sozialen Netzwerken eingerichtet hat, durchzieht nicht mehr nur der Hass, sondern auch die Debatte zum Umgang mit Hatespeech fast alle Medien. Während sich unsere Talks von Kirsten Fiedler (EDRi) und Jillian York (EFF) den damit verbundenen Problemen im Bereich der Effektivität und Transparenz sowie der Gefahr einer privatisierten Rechtsdurchsetzung widmen sowie einen alternativen Umgang aufzeigen, widmet sich unser Workshop den praktischen Problemen von Online-Redaktionen und Communities: Welche Techniken fördern die sachliche Debatte? Wie funktioniert gutes Community Management? Wie kann der Diskurs wieder Spaß machen? Ihr Wissen und ihre Erfahrung teilen Markus Reuter (Redakteur, netzpolitik.org), Nele Heise (Medienwissenschaftlerin, Universität Hamburg) und Roland Panter (Bundesverband Community Management) im Workshop: Hass bleibt Handarbeit – Der Umgang mit Kommentaren im Spannungsfeld zwischen Meinungsfreiheit und Zensur.

Wenn man die Gefahr und Auswirkung von Burnout in der Netz-Bewegung fassen will, reicht of ein kurzer Blick in das direkte Umfeld. Der Kampf um digitale Rechte kann wie jeder Aktivismus sehr zermürbend sein, dem Schutz der persönlichen Integrität und Balance kommt damit eine große Bedeutung zu, eine Herausforderung für jede/n Einzelne/n und die Community. Daher endet unser Workshop-Programm mit einer Einführung in Strategien der Achtsamkeit für Aktivist*innen, gegenüber sich selbst und anderen, sowie Strategien des Ressourcenmanagements und des körperlichen Wohlbefindens. Hacking with care! ist die Devise von Jeremie Zimmermann, der außerdem seine Vision einer Kooperation mit Menschen aus dem Gesundheitssektor vorstellt, zentralen Akteuren im Bereich von Datenschutz und Privacy.

Das Programm ist online – Wir fassen es für Euch zusammen

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Am 7. Oktober 2016 findet zum dritten Mal die „Das ist Netzpolitik!“-Konferenz von netzpolitik.org statt. Im Maschinenhaus der Kulturbrauerei geben 32 Sprecherinnen und Sprecher ein Update über die aktuell wichtigsten netzpolitischen Debatten in Deutschland, Europa und der Welt. Abends gibt es an einem anderen Ort die Party zum zwölften Geburtstag von netzpolitik.org mit Kommentarlesung, einem Netzpolitik-Quiz und diversen DJs.

Der Morgen startet mit aktuellen Debatten: Markus Beckedahl, Chefredakteur von netzpolitik.org, wird einen Überblick geben über aktuelle und zukünftig relevante Fragestellungen der Digitalisierung. Anna Biselli, Redakteurin bei netzpolitik.org, fasst die Entwicklungen im Geheimdienst (NSA) -Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags zusammen und skizziert mögliche Folgen der aktuellen BND-Reform.

Die Europaabgeordnete Julia Reda (Piratenpartei) wird über die jüngst begonnene EU-Urheberrechtsreform berichten, die u.a. ein EU-weites Leistungsschutzrecht vorsieht. Kirsten Fiedler, Managing Direktorin von European Digital Rights (EDRi), ordnet die vielfältigen Entwicklungen rund um die aktuelle Anti-Terror-Richtlinie der EU. Sie erklärt, wie freiwillige Kooperationen zwischen Sicherheitsbehörden und Plattformen unsere Grundrechte aushöhlen und veranschaulicht die gefährlichen Auswirkungen auf unsere Meinungsfreiheit und Privatsphäre. Ingo Dachwitz, Redakteur bei netzpolitik.org, wird in die neu gestartete Debatte um die ePrivacy-Richtlinie einführen, die von Cookies bis zur Plattformregulierung einige Überraschungen enthält.

Über die nationale Umsetzung der EU-Datenschutz-Grundverordnung wird der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar berichten. Er sieht in dem von netzpolitik.org geleakten Referentenentwurf des Bundesinnenministeriums eine Aushöhlung des Datenschutzes. Positive Nachrichten überbringt Thomas Lohninger von Savetheinternet.eu: Er spricht darüber, wie die vor kurzem veröffentlichten Regeln zur Netzneutralität in der EU ein offenes Netz schützen und wie eine wachsame Zivilgesellschaft jetzt die Einhaltung und Interpretation der Regeln beobachten sollte. Auch das „Darknet“ spielt eine Rolle: Constanze Kurz, Redakteurin bei netzpolitik.org und Sprecherin des Chaos Computer Clubs, stellt technische Entwicklungen in Folge der Snowden-Enthüllungen vor, die zu mehr Verschlüsselung und damit zu einem besseren Schutz unserer Privatsphäre führen.

Der österreichische Jurist Max Schrems wird über seine geplante Sammelklage gegen Facebook und die Auswirkungen des durch ihn gescheiterten Safe Harbor-Abkommens und seinem Nachfolger, dem Privacy-Shield, berichten. Eine ganz andere Perspektive bringt Volker Gassner ein, Leiter des Teams „Presse und Strategische Kommunikation“ bei Greenpeace Deutschland: Er wird mit seinem Außenblick Tipps und Tricks aus der Umweltbewegung und von Greenpeace vorstellen und diskutieren, was die Netz-Bewegung daraus lernen kann.

Weitere Vorträge thematisieren beispielsweise die Frage, ob die Störerhaftung jetzt wirklich abgeschafft ist, internationale Trends zur grundrechtsfreundlichen Auseinandersetzung mit Hate-Speech im Netz, die Chancen zivilgesellschaftlicher technischer Innovationen im Bereich CivicTech, Reformvorschläge für die EU-Datenbankrichtlinie und mögliche Folgen der in der EU-Urheberrechtsreform geplanten Content-ID für Plattformen.

In verschiedenen Workshops wird über Kommentarkultur, Anti-Burn-Out-Strategien für Aktivist*innen, neue Ansätze beim Breitbandausbau durch innovative freie Funknetze sowie über die https://12.netzpolitik.org/schedule/safeguarding-the-public-domain-wie-und-wo-jeder-helfen-kann-workshop/ diskutiert und gezeigt, wie man Frag den Staat zur Durchsetzung unseres Rechts auf Informationsfreiheit nutzen kann.

Abends gibt es ab 21 Uhr die Geburtstagsparty zu zwölf Jahre netzpolitik.org. Der Ort in Berlin-Kreuzberg wird zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben. Teilnehmer der Konferenz haben freien Eintritt, neue Gäste zahlen sechs Euro (plus Spendenmöglichkeit).

Tickets für die Konferenz gibt es zum Preis von 50 Euro und 20 Euro für Ermäßigungsberechtigte (Studierende, Schüler*innen, Empfänger von Arbeitslosengeld/ Hartz4). Ein spezielles Aktivist*innen-Ticket gibt es zum Preis von 15 Euro für alle, die sich ehrenamtlich für digitale Grundrechte einsetzen.

Die „Das ist Netzpolitik!“-Konferenz wird von netzpolitik.org veranstaltet und freundlicherweise von der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Chaos Computer Club und Wikimedia Deutschland gefördert.